Lautes Lesen

Die folgende, scheinbar sehr einfache Übung nutze ich mit immer wieder erstaunlichen Ergebnissen in vielen meiner Kommunikations– und Bewerbungsworkshops. Sich selbst etwas laut vorzulesen, mag für viele Menschen ungewöhnlich erscheinen. Wir sind es gewohnt, den Gedanken eines Textes im Kopf zu folgen. Dort wägen wir ab, bewerten und gehen mit den Autor*innen der Texte vielleicht in einen inneren Dialog.

Doch ein Text erschliesst sich nochmals anders, wenn man ihn sich laut vorliest. Dies gilt vor allem für stark verdichtete Texte, die mit ungewohnten Bildern spielen. Oder mit zusammenfassenden Kernaussagen, die alle wichtigen Aspekte eines Gedankens oder einer Argumentation bündeln. Ganz besonders gilt es für Glaubenssätze über uns selbst, die manche Teile unserer Persönlichkeit irgendwann einmal als zutreffend akzeptiert, definiert oder – falls die Übernahme dieser Überzeugungen sehr früh in unserem Leben geschah – unreflektiert meist von den Eltern als sogenannte Introjekte übernommen haben.

Lernen am Beispiel

Als Beispiel ein Satz, den viele in der einen oder anderen Form als hilfreichen Ratschlag im Rahmen der Konfliktbewältigung kennen .
„Ich versuche, meine Worte sehr authentisch zu wählen und für mein Gegenüber verständlich zu formulieren.“

Beim ersten Lesen – also jetzt! – sollte man kurz innehalten und sich überlegen, welche Betonung man diesem Satz selber gegeben hätte. Nicht bewerten, nur feststellen. Dann bitte einmal laut aussprechen.

Wenn man solche Aussagen laut vorliest, verändert sich meist die eigene Wahrnehmung. Für manche nur minimal, für andere viel stärker – je nachdem, wie geübt sie sind, Veränderungsprozesse bei sich selbst zu beobachten.

Wenn man jetzt beim Vorlesen zudem die Betonung verändert, entdeckt man oft vollkommen neue Aspekte. Dabei geht man sehr formal vor, um alle Möglichkeiten zu nutzen. Diese Methode wird auch von Schauspieler*innen genutzt, um sich neue Texte in verschiedenen Tiefen zu erschliessen

Zunächst wird also das erste Wort betont:
„ICH versuche, meine Worte sehr authentisch zu wählen und für mein Gegenüber verständlich zu formulieren.“ Beim zweiten Lesen das zweite Wort: „Ich VERSUCHE, meine Worte sehr authentisch zu wählen und für mein Gegenüber verständlich zu formulieren.“Dies wird fortgesetzt, bis man beim letzten Wort landet: „Ich versuche, meine Worte sehr authentisch zu wählen und für mein Gegenüber verständlich zu FORMULIEREN.“

Es lohnt sich, sich jetzt vielleicht kurz 5 Minuten Zeit für eine solche Übung mit einem Satz Ihrer Wahl zu gönnen.
Hier noch ein paar Tips, für Fehler, die sich leicht einschleichen: viele neigen dazu, im ersten Anlauf nur Hauptwörter oder Verben zu betonen. Auch von geübten Personen werden Partikel und Konjunktionen gerne übersprungen: also die Sätze mit der Betonung auf dem ZU, UND oder FÜR.
Zugegeben, beim „zu“ als Teil des Infinitifs verändert sich fast nichts. Aber es trainiert dafür das Bewusstsein für die anderen Einsilber sehr gut.

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