Safe Spaces & Pädagogik

Als “Safe Spaces” werden im Allgemeinen Räume und Räumlichkeiten bezeichnet, in die sich Menschen zurückziehen dürfen, die sich in ihrem Alltag marginalisiert oder diskriminiert fühlen.
In einer idealen, diskriminierungsfreien Gesellschaft sollten also alle öffentlichen und halböffentlichen Räume von allen Beteiligten und Nutzer*innen als „Safe Space“ wahrgenommen werden können.

Warum brauchen wir Safe Spaces?

Das Ideal einer stets respektvollen und Konflikte frühzeitig beilegenden Gesellschaft wird aus vielerlei Gründen nur sehr selten erreicht. Immer wieder ergeben sich Spannungsfelder und Konflikte im Zusammenleben von Menschen. Dabei setzen sich in regellosen und wenig kontrollierten bis überwachungsfeien Räumen leider sehr oft sogenannte Bullies durch: Menschen, die andere mit physischer und psychischer Gewalt dominieren und in diesen Verhaltensweisen oft grosse Routine und Selbstverständlichkeit besitzen.

Faire Staaten, Gesellschaften und Gruppierungen sorgen daher durch entsprechende Regeln und Gesetze so weit wie möglich für den Schutz von vulnerablen Gruppen. Die Einrichtung von Safe Spaces ist leichter, wenn die Verantwortlichen hohe Übereinstimmung bei ihren Wertvorstellungen haben.

Definition Safe Spaces

Safe Spaces bieten garantierte Rückzugsmöglichkeiten bei Überforderung. Den Betreiber*innen von “Safe Spaces” geht es darum, dort eine positive und tolerante Kultur zu etablieren. Wer einen Safe Space betritt, soll sich hier sicher fühlen, dass er oder sie nicht diskriminiert, beleidigt oder belästigt wird.

So sind Aussagen und Taten verboten, die andere als diskriminierend oder abwertend empfinden. Dies können beispielsweise Aussagen sein über

  • die Rasse einer Person
  • das Geschlecht einer Person
  • die Attraktivität einer Person
  • den Körper und die Körperform einer Person

In fast allen Safe Spaces erfolgt bei Nichtbeachtung der Regeln der Ausschluss aus dem Safe Space. Zu den nicht erlaubten Äusserungen zählen

  • Beleidigungen
  • Belästigungen
  • bewusst provozierende Aussagen
  • anstößige Aussagen
  • vulgäre Aussagen

Da auch nonverbale Kommunikation (z.B. Abwenden, Ignorieren) ausgrenzen kann, werden in Safe Spaces auch das Verhalten aller Anwesenden aufmerksam registriert und reflektiert.

Beschränkung von Themen

Da bei vulnerablen Personen prinzipiell mehr Themen und Situationen als Trigger für beklemmende und beängstigte Zustände möglich sind, werden in Safe Spaces oft auch Einschränkungen von Gesprächsthemen ausgesprochen. So sollen Betroffene an diesen Orten nichts hören müssen, was sie verunsichert oder beunruhigt. Über folgende Themen sollte dann nicht oder nur mit grosser Vorsicht gesprochen werden

  • Politik und politische Ansichten
  • Glaube und Religion
  • potentiell kontroverse Ideen oder Ansichten (z.B. aktuell der gesellschaftliche und persönliche Umgang mit der Corona-Pandemie)

Safe Space als Austauschort

“Safe Space” dienen auch dazu, dass sich Betroffene, die sich hierhin zurück ziehen, über ihre Erfahrungen austauschen können.


Im Umkehrschluss bedeutet dies für Personen, die als Nichtbetroffene einen Safe Space betreten möchten, sich an die dortigen Regeln halten sollten.

Safe Spaces in der Pädagogik

In den Bildungswissenschaften kennt man in diesem Zusammenhang die Begriffe der „Protected Learning Spaces“ (PLS) und des „Schonraumlernens“. Ein Schonraum ist im methodischen pädagogischen Verständnis eine zu Lernzwecken geschaffene Umwelt bzw. eine organisatorische Maßnahme, die ein altersgemässes, mit Freude verbundenes Experimentieren und Lernen ermöglichen soll.
Schonraumlernen bedeutet als methodisch-organisatorische Aufgabe das Schaffen von Bedingungen, die ein ungefährdetes und noch nicht mit der Komplexität des endgültigen Lernziels konfrontierendes Lernen zulässt.

Im besten Fall sind sämtliche Bildungsorte – Kitas, Schulen, Universitäten, Volkshochschule und ausserschulische Lernorte – bis hin zu Arbeitsplätzen Safe Learning Spaces, die folgendes ermöglichen:

  • Anpassung des Stoffes an die jeweilige Leistungsfähigkeit der Entwicklungsphase der Lernenden
  • Fehler als notwendige Lernschritte verzeihen
  • Mut machend, die eigenen Grenzen zu erweitern

Continuum: vom Schonraum- zum Realraumlernen

PLS sind Schutzräume im doppelten Sinne: sie ermöglichen das Aneignen von Wissen, Können und Verhaltensweisen in einer explizit geschützten Umgebung.
Ein geschützter Lernraum nimmt eine Sonderstellung ein und weist deutliche Unterschiede zum Gegenmodell, dem sogenannten „Realraumlernen“, auf. Hier soll in einer möglichst lebensnahen Umgebung Wissen erworben werden. Dazu zählen nicht nur alle Formen von Praktika sondern auch viele projekt- und lösungsorientierte Methoden, die in einem sehr weiten Umfeld mit einer transparenten Fehlerkultur arbeiten.

Zwischen diesen beiden Polen liegen wiederum viele Varianten von „Spiel- und Simulationsräumen“, in denen spielerisches, experimentierendes Lernen in vielen Abstufungen ermöglicht wird.



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